Sicher neue Wege gehen

Unsere Tipps - So läuft´s rund

Ins Ausland zu gehen und dort zu arbeiten – das ist aufregend. Und ob es nun der unwillige Chef, die zweifelnden Eltern oder deine traurige Freundin sind – einige Hürden musst du vielleicht überwinden. Hier unsere wichtigsten Tipps, wie du alles so anpackst, dass es läuft.

So findest du einen guten Zeitpunkt, um ins Ausland zu gehen

Dein Auslandsaufenthalt soll dir etwas bringen und nicht deine Ausbildung beeinträchtigen. Achte deshalb darauf, dass du den Zeitpunkt gut wählst und dass du nicht irgendwas machst, sondern dass die Inhalte zu deinen beruflichen Plänen passen.

Die Zeit nach der Zwischenprüfung oder direkt nach dem Ausbildungsabschluss hat sich bewährt, weil du dann nicht mittendrin rausgerissen wirst und anschließend gut wieder einsteigen kannst. Wenn du in einer Aufstiegsfortbildung (z. B. zur Technikerin oder zum Meister) steckst, wird dir die Lehre im Ausland vielleicht sogar als Praxiszeit angerechnet. Erkundige dich frühzeitig bei den für deine Ausbildung zuständigen Stellen.

Du kannst einen Teil deiner Ausbildung im Ausland machen

Es ist grundsätzlich erlaubt, einen Teil der Ausbildung im Ausland zu machen, wenn du das vorher mit dem Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule abstimmst.

Ganz wichtig: Besprich deine Pläne rechtzeitig mit Berufsschule, Chef/-in und vor allem mit Familie, Partner/-in und Freunden. Sie alle rechnen mit dir – ob nun die Kolleginnen im Team bei der Betreuung schwieriger Kunden oder deine kleine Schwester sonntags beim Mittagessen. Gib allen ausreichend Zeit, sich darauf einzustellen, dass du eine Weile weg bist.

So überzeugst du deinen Chef/deine Chefin

Für einen kleinen Betrieb ist es manchmal schwierig, dich für längere Zeit zu entbehren. Meist geht es aber nur um wenige Wochen Abwesenheit. Präsentiere deshalb deine Pläne frühzeitig und gut durchdacht. Vor dem Gespräch mit Chef oder Ausbilderin, kannst du dir bei den Organisatoren deines Programmes zusätzliche Argumente holen.

Das kannst du tun:

  • Beschreibe deinem Chef genau, was dein Auslandsaufenthalt mit deiner Ausbildung und deinem Betrieb zu tun hat.
  • Überlege dir vor allem, was es dem Betrieb nutzt: deine Ausbildung wird runder, im Handwerk arbeitest du vielleicht mit anderen Werkstoffen oder du lernst neue Anwendungsfelder für Technologien kennen. Du kannst besser mit Kunden aus aller Herren Länder umgehen und und und….
  • Weise auch auf die Sprachkenntnisse hin, die du erwirbst. Wenn in eurem Betrieb Menschen aus anderen Ländern arbeiten oder der Betrieb Partner im Ausland hat, dann kannst du mit diesen ausländischen Kollegen bald sehr erfolgreich zusammenarbeiten.
  • Berichte deiner Chefin von anderen Betrieben, die ihre Azubis erfolgreich ins Ausland entsendet haben.
  • Biete an, nach dem Auslandsaufenthalte zu präsentieren, was du gelernt hast.

Vermittle, was es dem Betrieb und dir nutzt

  • Durch ein Auslandspraktikum wirst du eine bessere Fachkraft und eigenständigerer Mitarbeiter. Du wirst flexibler und bringst neue fachliche Kenntnisse mit.
  • Du wirst schlauer und besser durch Kenntnisse und Techniken, die du zu Hause nicht erlernen kannst. Ein Vorteil bei Bewerbungen und im Berufsalltag.
  • Du machst einmalige Erlebnisse, wirst eigenständiger und zufriedener.
  • Du lernst Sprachen und kannst dich mit Fachbegriffen aus deinem Berufsfeld unterhalten.
  • Du lernst, mit Menschen aus anderen Kulturen erfolgreich zusammenzuarbeiten.
  • Du gewinnst neue Berufsaussichten. Mit internationalen Aufgaben, wenn du willst.
So wirst du dir sicher, welches Programm zu dir passt

Der einfachste Weg, um das herauszufinden: Mache dir ganz klar, was du selbst von deinem Auslandsaufenthalt erwartest. Möchtest du vor allem die Sprache besser lernen? Oder besondere Fachtechniken erlernen? Ist dir der Kontakt zu den Kollegen wichtig?

Spreche offen über deine persönlichen und fachlichen Erwartungen an das Programm:

  • Frage bei den Beratern nach, wenn dir Informationen unlogisch oder unvollständig erscheinen.
  • Erkundige dich, ob du in einem echten Unternehmen oder z.B. in einem Trainingszentrum arbeiten wirst.
  • Hake auch nach, ob es einen Ausbildungsplan und eine Betreuung im Praktikum gibt.
  • Erkundige dich nach Erfahrungsberichten ehemaliger Teilnehmer. Frage deinen Anbieter, ob du direkt mit Ehemaligen reden kannst.
  • Sage offen, was du brauchst, wenn du gesundheitliche Einschränkungen hast, zum Beispiel Allergien oder eine chronische Krankheit – denn die Organisatoren und Gastgeber müssen wissen, worauf sie sich einzustellen haben. Einschränkungen sollten übrigens kein Grund sein, dass du nicht in das Programm aufgenommen wirst. (Link zu Gesundheit)
  • Rede im Beratungsgespräch und in der Vorbereitung auch über deine Ängste. Reisefieber ist normal! Viele deiner Ängste lösen sich in Luft auf, wenn du mehr erfährst.

Worauf du bei einem Auslandspraktikum alles achten solltest, verrät dir der Flyer QualitätsCheck Auslandspraktikum. Er sagt  dir, was ein gutes Programm bieten muss.

So bereitest du dich gut vor

Am besten fängst du möglichst früh mit  der Planung an. Gerade wenn du finanzielle Unterstützung erhalten möchtest, solltest du dich ungefähr ein Jahr vorher mit den Details vertraut machen.

Das kannst du machen:

  • Der Papierkram (z. B. Verträge, Visum, Versicherung) ist die eine wichtige Sache, die dauert und sollte deshalb rechtzeitig erledigt werden.
  • Du solltest dich aber auch frühzeitig über dein Gastland und deine Gastgeber erkundigen. Frage die Organisation, die für deine Entsendung zuständig ist, nach Informationsquellen (Broschüren, Internet, Buchtipps, etc.). Richtig gute Programme bieten ein Vorbereitungstreffen an.
  • Du brauchst keine perfekten Sprachkenntnisse, aber Grundlagen, damit du dich verständigen kannst. Es gibt viele unterhaltsame und auch kostenfreie Möglichkeiten, Sprachkenntnisse aufzufrischen und Wörter aus deinem Berufsfeld dazuzulernen (Link zu Sprachkenntnisse). Informiere dich, was in deinem Fall wichtig ist. Es kann sein, dass du für einen Aufenthalt in Spanien nur Englischkenntnisse brauchst. Dann ist Englisch die „Brückensprache“. Wenn du dich aber als Experte für den spanischen Markt ausbilden lässt, werden bestimmt Spanischkenntnisse von den Teilnehmern verlangt.
  • Wenn du bei einer Gastfamilie untergebracht bist, kannst du schon von zu Hause Kontakt aufnehmen und einige Fotos aus deinem Leben schicken. So lernen dich die neuen Leute schon mal ein wenig kennen.
So kommst du mit allen gut klar

Reisen bedeutet: flexibel sein. Du entscheidest mit, ob dein Lernabenteuer im Ausland ein Erfolg wird oder in die Hose geht.

Wenn du freundlich und offen bist, dann werden die anderen auch gerne mit dir arbeiten oder zusammenwohnen. Das Gute ist: Im Ausland  begegnet man dir unvoreingenommen. Du bist einfach die Praktikantin oder der Gast aus Deutschland. Leistungsdruck ist fehl am Platz und du kannst viel ausprobieren. Kann sein, dass du vielleicht weniger zu sagen hast als zu Hause. Ärgere dich nicht! Genieße lieber die Freiheit und die vielen neuen Eindrücke. An einem Tag wirst du manchmal mehr erleben als in einem ganzen Monat zu Hause.

Du trägst aber auch Verantwortung, denn du bist gleichzeitig „Botschafter/in“ deines Heimatlandes und der  Organisation, die dich vermittelt hat. Der gute Eindruck, den du hinterlässt, ist auch wichtig für die, die nach dir kommen.

So bleibst du auch im Ausland fit und gesund

Brauchst du für dein Reiseland Schutzimpfungen? Dein Hausarzt weiß Bescheid. Weil Impfungen manchmal brauchen bis sie wirken, solltest du dich einige Monate vor deiner Reise darum kümmern. Auch ein Zahnarztbesuch ist empfehlenswert, damit du dich im Ausland nicht mit Zahnschmerzen herumplagen musst.

Wenn du kurz vor deinem Auslandsaufenthalt krank wirst, solltest du mit einem Arzt abklären, ob du fahren kannst. Eventuell musst du deine Reise verschieben und mit dem Arzt besprechen, wann es wieder losgehen kann. Überfordere dich nicht und denk daran, dass es bei einem Auslandsaufenthalt anfangs auch stressig sein kann (anderes Klima, ungewohnte Umgebung, andere Sprache, viele neue Eindrücke, etc.).

Nicht in jedem Land gelten die gleichen Hygiene-Regeln wie bei uns. Oft herrscht auch ein anderes Klima. Deshalb kann man sich in fremden Ländern insbesondere über Nahrungsmittel auch mit Krankheiten anstecken. Verwende deshalb nur hygienisch einwandfreie Lebensmittel und Getränke und beachte die Ratschläge und Warnungen der Einheimischen. `Cook it or peel it´ gilt zum Beispiel für Obst oder Gemüse im fernen Ausland. Aktuelle Hinweise und weitere Tipps findest du auf der Internetseite des Auswärtigen Amts.

So verständigst du dich gut

Mach dir keine Sorgen: Du fährst ja nicht zum Sprachtest ins Ausland. Mit deinem Schulenglisch wirst du erst einmal klarkommen. Und in Österreich oder in der Schweiz zum Beispiel brauchst du gar keine Fremdsprache.

Andere Länder - andere Sitten

In deinem Gastland geht man vielleicht anders miteinander um als Zuhause - sogar die Körpersprache kann anders sein. In Deutschland zum Beispiel begrüßt man sich mit Handschlag und schaut sich direkt in die Augen. In Frankreich gibt man sich zur Begrüßung Luftküsschen rechts und links. Es hilft, wenn man über anfängliche Missverständnisse lachen kann.

Das hilft auch:

  • Mach dir erst einmal bewusst, wie du selbst tickst. Auch du bist geprägt von deiner Heimat, von deiner Familie und von deinem beruflichen Umfeld.
  • Versuche dann, ein Gefühl für das neue Land zu bekommen. Frage immer nach, wenn du etwas nicht verstehst. Das wird deine Gastgeber freuen. Sonst machen sie sich Sorgen, dass es dir bei ihnen nicht gefällt – dabei ist das vielleicht nur ein Missverständnis.
  • Hab Spaß an allem Neuen und Anderen: Die Verständigung zwischen den Kulturen ist eine spannende Sache, bei der du viel über dich und über andere Menschen lernst.

Dieses „in einer anderen Welt klarkommen“ nennt man auch interkulturelle Kompetenz. Sie ist ein großer Schatz, den du mit nach Hause nimmst und den du nicht aus Büchern lernen kannst. Zu Hause ist es für dich dann einfacher mit Menschen aus anderen Ländern zu leben und zu arbeiten und du hast vor allem beruflich mehr Möglichkeiten. Denn der Bedarf an international erfahrenen Fachkräften wächst.

So kommst du zu Hause wieder rein

Zurück zu Hause fühlt sich jetzt vielleicht vieles erst mal komisch an. Gerade hast du Einmaliges erlebt und in einer fremden Sprache gesprochen. Jetzt sollst du wieder den Alltag organisieren und brav in den Betrieb und zur Berufsschule gehen. Vielleicht sind manche Freunde oder Kollegen sogar eifersüchtig auf deine Heldengeschichten.

 

  • Nimm dir Zeit für Familie und Freunde. Organisiere zum Beispiel eine Party mit landestypischen Gerichten und zeige dort deine Fotos. Im Alltag haben vielleicht nicht immer alle genügend Zeit, deinen Geschichten aufmerksam zuzuhören.
  • Zeige in der Berufsschule und im Ausbildungsbetrieb mit einem Fotovortrag, was du im Ausland gelernt hast und welche neuen Ideen du im Gepäck hast. Deine Chefin oder dein Ausbilder werden einiges spannend finden und dich mit neuen Augen sehen! Positiver Nebeneffekt: Jetzt verstehen auch die Lästermäuler, dass du in Spanien nicht im Urlaub warst.
  • Schreib einen Artikel für die regionale Zeitung oder gib ein Interview. Deine Berufsschule und dein Betrieb haben bestimmt Kontakt zur Presse. Frage einfach danach.
  • Besuche ein Treffen mit anderen Rückkehrern. Gute Programme bieten ihren Teilnehmenden eine Nachbereitung oder ein Nachtreffen an. Wenn ihr mit mehreren Leuten im Ausland wart, kannst du auch selbst ein Treffen organisieren.
  • Halte Kontakt zu deinen neuen Freunden im Ausland. Über das Internet ist das gar nicht schwer. Vielleicht kommt dich ja bald mal jemand in Deutschland besuchen.
So zeigst du, was du im Ausland gelernt hast!

Mach Fotos, sammle interessante Broschüren, schreib auf, was du erlebst: Und zwar schon während du im Ausland bist und nicht erst hinterher (sonst vergisst du es schnell wieder). Du kannst alles gut für dein Berichtsheft, einen Vortrag, für einen Abschlussbericht (den manche Organisationen verlangen) oder auch für ein Gespräch mit einer Kollegin oder deinem Ausbilder nutzen.

Wenn dein Aufenthalt aus dem europäischen Programm Erasmus+ gefördert wird, wird dir der Programmanbieter einen Europass Mobilität ausstellen. Er hilft dir bei  späteren Bewerbungen, denn du kannst belegen, dass du z.B. einen Teil deiner Ausbildung und Berufserfahrung im Ausland gemacht hast. Der Europass zeigt im Überblick,  was du gelernt hast, z.B.  bestimmte Arbeitstechniken und Kenntnisse im ausländischen Betrieb, Sprachkenntnisse, Fachbegriffe aus deinem Berufsfeld oder die Fähigkeit, mit Menschen aus anderen Kulturen erfolgreich zusammenzuarbeiten.

Wenn du nicht an einer europäischen Maßnahme teilnimmst, dann frage trotzdem nach einem Zertifikat, in dem deine Lernergebnisse dargestellt werden. Bitte auch deinen Gastbetrieb oder die Einrichtung, die dich im Ausland betreute, dir ein Arbeitszeugnis/einen Kompetenznachweis auszustellen. Alle genannten Dokumente können dir bei der Jobsuche zu Hause einen echten Vorsprung verschaffen.