Ausbilden für die internationale Arbeitswelt - Zukunftsmarkt China

Praxisbeispiel: Fachpraktika in China

Internationalisierungsstrategie einer Berufsschule

Auszubildende zur Immobilienkauffrau der Berufsbildenden Schule Wirtschaft I Ludwigshafen, während ihres vierwöchigen Praktikums in einem Architekturbüro in Tianjin, China.

An der Berufsbildenden Schule (BBS) Wirtschaft I Ludwigshafen haben angehende Immobilien- und Speditionskaufleute die Möglichkeit, Praktika in internationalen Konzernen in China zu absolvieren. Schulalltag erleben die Auszubildenden am Partnercollege, das Tianjin Sino-German Vocational Technical College. Jedes Jahr kann die Berufsschule Praktikanten nach China schicken, als Gegenleistung unterstützt sie das College beim Aufbau einer kaufmännischen Abteilung und unterstützt die Lehrerqualifizierung im Logistikbereich.

Presseinfo

 Neue IBS-Videos über deutsch-chinesisches Austauschprojekt einer Berufsschule

 Zukunftsthema Fachkräfte: Vorteile durch Auslandsqualifizierung

 Von Rheinland-Pfalz nach Asien - Eine Berufsschule zeigt, wie dies in der Praxis funktioniert

Die Azubi-Praktika der BBS Wirtschaft I Ludwigshafen wurden 2015 vom Mercator Schulpartnerschaftsfonds Deutschland-China gefördert, ein Projekt der Stiftung Mercator und des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD).

 Zum Mercator Schulpartnerschaftsfonds

 Zur BBS Wirtschaft I Ludwigshafen

Video

Ausbilden für die internationale Arbeitswelt

Das Projekt der Berufsbildenden Schule (BBS) Wirtschaft I Ludwigshafen zeigt, wie deutsche Azubis die chinesische Wirtschaft kennenlernen.

Wolfgang Stutzmann, Schulleiter der Berufsbildenden Schule Wirtschaft I Ludwigshafen

"Die Azubi-Praktika im Ausland sind Teil unserer Internationalisierungsstrategie. Im Zentrum stehen die Schüler: Sie erwerben vielfältige Kompetenzen, die sie in ihrem späteren Berufsleben nutzen können. Sie haben einen gewaltigen Blick über den Tellerrand hinaus gemacht, der sie als Persönlichkeiten ein gutes Stück weitergebracht hat."

An China führt kein Weg vorbei

Seit 2011 bestehen Kontakte zwischen der BBS Wirtschaft I in Ludwigshafen und dem Sino-German College in Tianjin. Zwei Jahre später schickte die Schule erstmals angehende Immobilien-, Speditions- und Industriekaufleute sowie Schülerinnen und Schüler des Wirtschaftsgymnasiums für ein vierwöchiges Praktikum nach Tianjin. Insgesamt waren bisher 20 junge Nachwuchskräfte in Tianjin. Sie partizipieren einen Tag in der Woche am Unterricht im chinesischen College, die übrigen vier Tage arbeiten sie in einem Unternehmen vor Ort, in der Regel bei international agierenden Konzernen und Firmen, die in China Niederlassungen haben.

Für die jungen Erwachsenen bedeutet dies, sich in einem komplett neuen Umfeld zu bewegen und Erfahrungen zu machen, die sonst in dieser Form nicht möglich wären. Der damit verbundene interkulturelle Austausch erhöht nicht nur die Problemlösekompetenz, sondern bringt auch einen Schub für die Persönlichkeitsentwicklung mit sich. Hinzu kommt häufig, dass die Gäste aus Deutschland für sie völlig neue Tätigkeiten und Abläufe kennenlernen und so „Internationalität live erleben“.

Doch nicht nur die Großen, gerade auch kleine und mittelständische Unternehmen erkennen zunehmend den Mehrwert, den der Blick über den eigenen Tellerrand mit sich bringt. Denn interkulturelle Kompetenzen, die in Zeiten zunehmend globalisierter Märkte immer wichtiger werden, können nur im Ausland erworben werden. Eine exportorientierte Wirtschaft braucht international ausgebildetes Personal, zum Beispiel, wenn es um einen Wachstumsmarkt wie China geht. Hinzu kommt, dass die Auslandserfahrung auch eine wichtige Rolle in Sachen Mitarbeiterbindung spielt. Hier wird die Sicherung von Fachkräften schon in der Ausbildung praktiziert. 

Markus Linke, seinerzeit General Manager, Stiebel Eltron, Tianjin

"Die Erfahrung, das Gelernte aus der Berufsschule, im interkulturellen Austausch kennenzulernen und zu erleben, ist im Kontext der Internationalisierung unbezahlbar. "

Vera Stürmer, Berufsschullehrerin und Mitarbeiterin des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz

"In größeren Unternehmen sind Auslandsaufenthalte gang und gäbe aber für kleine Unternehmen ist es durchaus außergewöhnlich. Aber wie können die Auszubildenden in der internationalisierten Arbeitswelt zurecht kommen, wo geht ihr Weg hin und wohin können sie sich weiterentwickeln, wenn nicht durch Erfahrungen im Ausland?"

Ein weiteres Praxisbeispiel

Das Kompetenzzentrum der Europaschule Northeim

Die Europaschule BBS I Northeim reagierte auf den regionalen Bedarf der Unternehmen, die nach auslandserfahrenen Fachkräften suchen. Gerade mittelständische Unternehmen in Südniedersachsen haben zunehmend Niederlassungen und Produktionsstätten in China eröffnet. Die BBS Northeim schuf 2011 eine bundesweit einmalige Chinaqualifizierung für Kaufleute. In Nordrhein-Westfalen werden an den Berufskollegs in Siegen, Herne und Unna inzwischen ähnliche Angebote entwickelt.

Die 2012 in Kraft gesetzte Internationalisierungsstrategie des Niedersächsischen Kultusministeriums beförderte in Northeim den Entwicklungspfad hin zu einem Kompetenzzentrum sowohl für europäische als auch internationale Lernmobilität. Es ist vorausschauend, die Annäherung an die chinesische Geschäftskultur bereits in der Ausbildung zu ermöglichen und gleichzeitig Sprach- und Spezialkenntnisse zu vermitteln. Auch ein Fachpraktikum in China ist fest integriert.

Im März 2014 erwarben in Northeim die ersten Auszubildenden die Zusatzqualifikation „Chinakauffrau/Chinakaufmann (IHK)“. Diese Sichtbarkeit des internationalen Profils im Berufsabschluss ist für die jungen Fachkräfte von großem Vorteil.

 Internationalisierungsstrategie des Niedersächsischen Kultusministeriums

 Europaschule BBS I Northeim

Prof. Dr. Xinghui Zhang, Präsident des Tianjin Sino-German Technical College

"Im Zuge der Globalisierung eröffnen viele deutsche Unternehmen Produktionsstätten in China und chinesische Unternehmen gehen ins Ausland. Daher hat der Austausch eine große Bedeutung."

Helmut Becker, Initiator der Berufsbildungskooperation in Ludwigshafen und Berufsbildungsexperte am Tianjin Sino-German Technical College

"Es ist die Aufgabe der älteren Generation, der jüngeren Generation Chancen zu geben und Perspektiven aufzuzeigen. Erst dann haben wir nachhaltig für die Jugend etwas getan."

Fachpraktika in China

Mercator Schulpartnerschaftsfonds Deutschland-China
Die Initiative der Stiftung Mercator und des Pädagogischer Austauschdienstes (PAD) verfolgt das Ziel, die deutsch-chinesische Verständigung über themenbezogene Projektarbeit an Schulen nachhaltig zu gestalten. Besonders für berufliche Schulen besteht die Möglichkeit, erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten anschließend direkt im beruflichen Alltag umsetzen zu können. Die beteiligten Lehrkräfte werden zudem durch Lehrerfortbildungen auf interkulturelles Projektmanagement vorbereitet.

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„Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH)
Die 2008 vom Auswärtigen Amt ins Leben gerufene PASCH-Initiative fördert u. a. deutsch-chinesische Partnerschaften. Dies schließt auch Partnerschaften zwischen beruflichen Schulen aus beiden Ländern ein. Beim Pädagogischen Austauschdienst (PAD) können Förderanträge für Austauschbegegnungen und für gemeinsame Projekte gestellt werden.

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Managerfortbildungsprogramm „Fit für das Chinageschäft“
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt mit seinem Programm "Maßnahmen zur Erschließung von Auslandsmärkten für kleine und mittlere Unternehmen des produzierenden Gewerbes und für Dienstleister" Unternehmen dabei, sich international zu positionieren. Mit dem Programmteil „Fit für das Chinageschäft“ lädt die chinesische Regierung Fach- und Führungskräfte aus deutschen Unternehmen zu einer zweiwöchigen praxisorientierten Fortbildung nach China ein. Das Programm wird von der chinesischen Regierung finanziert und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt.

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Berufsbildender Freiwilligendienst in China
Freiwilligendienste wie „weltwärts“ und „kulturweit“ ermöglichen zunehmend auch jungen Fachkräften,  Projekterfahrung in China zu sammeln.

 Zu weltwärts

 Zu kulturweit