Talent-Story zur Europäischen Woche der Berufsbildung
"Indem wir die Ausbilder begeistert haben, konnten wir auch die Azubis erreichen." Katharina Beyen, Ausbildungsleitung Stadt Köln

© Rheinisches Bildarchiv Köln, Eva Bauer, rba_d 046973_08

Dienstreise mit Elefanten - "Man muss auch mal improvisieren."

Namibia war im September 2017 das Ziel eines außergewöhnlichen Mobilitätsprojekts für Auszubildende im gewerblich-technischen Bereich bei der Stadt Köln. Für zweieinhalb Wochen gingen fünf Azubis und ein Ausbilder in die namibische Savanne, um ein von Tieren genutztes Wasserloch zu reaktivieren. Damit unterstützten sie nicht nur den Naturschutz vor Ort, sie erwarben zugleich wertvolle soziale Kompetenzen und machten eine einzigartige persönliche und interkulturelle Erfahrung. Organisiert wurde die Maßnahme federführend von der Ausbildungsleitung der Stadt Köln in Kooperation mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie dem Verein „Living with Elephants“.

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Es ist schon spannend, wie das Ganze zustande gekommen ist“, erzählt Katharina Beyen, Mitarbeiterin der Ausbildungsleitung bei der Stadt Köln und zuständige Ansprechpartnerin für Auslandsaufenthalte und -praktika während der Ausbildung, nicht ohne Stolz. So war der Kontakt zu Living with Elephants über einen Kollegen aus dem Amt für Kinder, Jugend und Familie möglich geworden, der auch dafür sorgte, dass sich Anfang 2017 Mitglieder des Vereins und der Stadtverwaltung erstmals zusammensetzten. Es ging um organisatorische Fragen, die Sicherheit vor Ort und um finanzielle Aspekte. Hier erwies sich ein weiterer Kontakt als hilfreich: Über die von der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen getragene Initiative Engagement Global NRW gelang es, Fördergelder zu generieren und die Realisierung entscheidend voranzubringen. Für die Teilnehmenden selbst blieb letztlich ein Eigenanteil von 500 Euro pro Person.

Katharina Beyen und Dirk Schnarr im Interview

Fragt man Katharina Beyen nach den Hürden, die es zu bewältigen gab, bevor die fünf Azubis mit ihrem Betreuer Dirk Schnaar, Ausbilder für Garten- und Landschaftsbau im Grünflächenamt der Stadt Köln, nach Namibia gingen, dann lächelt sie und sagt: „Auch wenn Sie es mir nicht glauben, es war alles ganz einfach. Wir als Ausbildungsleitung haben die Verantwortung und Organisation übernommen, die Kosten waren gedeckt und alle Beteiligten fanden es toll, unseren Auszubildenden so etwas bieten zu können.“ Diskussionen gab es allenfalls um Versicherungsfragen und Verwaltungsvorschriften. Zum Beispiel, weil für jeden Teilnehmer offiziell ein Dienstreiseantrag gestellt werden musste. Durch Gespräche mit den beteiligten Stellen ließen sich alle auftretenden Probleme jedoch rasch lösen.

Auch bei der Akquise der Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewies die Stadt Köln ein gutes Händchen. Man nutzte ein Treffen der Ausbilder aus dem gewerblich-technischen Bereich, um die Idee vorzustellen und die Ausbilder als Multiplikatoren zu gewinnen. Mit Erfolg, weiß Katharina Beyen: „Indem wir die Ausbilder begeistert haben, konnten wir auch die Azubis erreichen. Für mich zeigt das: Wenn wir die Leute frühzeitig einbinden, lassen sich mögliche Vorbehalte ausräumen. Letztlich haben wir mit dem Projekt Neuland betreten. So etwas gab es in dieser Form vorher noch nicht.“

Um sich zu bewerben, mussten interessierte Auszubildende in einem Motivationsschreiben erläutern, warum sie teilnehmen wollten. „Diese Schreiben waren wirklich klasse“, unterstreicht Katharina Beyen, so dass die Entscheidung letztlich nicht schwerfiel, zumal aufgrund der relativ knappen Vorlaufzeit genau die passende Anzahl an Bewerbungen eingegangen war. Drei Azubis aus dem Garten- und Landschaftsbau und der Forstverwaltung sowie ein angehender Straßenwärter und eine auszubildende Fotografin aus dem Rheinischen Bildarchiv der Stadt Köln traten Anfang September 2017 die Reise nach Namibia an. Dazu Dirk Schnaar: „Unsere Herangehensweise war sicher nicht mit Maßnahmen in Europa vergleichbar. Man muss ein Stück weit improvisieren können, aber genau das war für mich das Spannende. Mehr Sorgen als um das Klima und die wilden Tiere habe ich mir darum gemacht, wie das Team mit einer solch extremen Situation umgeht, zumal es eine vom Charakter und den Ansprüchen her sehr vielfältige Gruppe war.“

Für die Auszubildenden war beides eine einzigartige Erfahrung: die Wildnis und der Teamgeist. Dabei erweiterten sie sowohl ihre sozialen als auch ihre fachlichen Kompetenzen. So lernten beispielsweise die angehenden Gärtner und Forstwirte völlig neue ökologische Zusammenhänge und Lebenswelten kennen, die Fotografin übte sich in dokumentarischer Fotografie. Alle Teilnehmenden konnten durch die Arbeit in Namibia ihre Fähigkeiten und Talente sowie ihr Selbstvertrauen maßgeblich weiterentwickeln. Ihre berufliche Handlungsfähigkeit und ihre interkulturelle Sensibilität wurden gleichermaßen gestärkt.  

In einem Vorbereitungstreffen waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensiv auf das Abenteuer eingestimmt worden, sowohl interkulturell als auch in Sachen Teambuilding. Dirk Schnaar war erstaunt, dass es vor Ort keinerlei Probleme gab. Im Gegenteil: Die Gruppe und die einheimischen Helfer erwiesen sich als echte Einheit. Manche seien seiner Meinung nach in den Tagen von Namibia so sehr gereift wie andere in ihrer gesamten Ausbildung nicht.

Von enormer Bedeutung für das Gelingen des Auslandsaufenthalts war die Unterstützung durch den einheimischen Partner Marco Grünert, der in Namibia eine Vielzahl von Themen im Naturschutz und der Kulturarbeit unterstützt und eine wichtige Rolle als sozialer Integrator einnimmt. Er selbst war Anfang der 1990er Jahre als Geologe in den Südwesten Afrikas gegangen und geblieben. „Ohne Leute wie ihn würde es solche Maßnahmen nicht geben“, glaubt Schnaar. Ein verlässlicher Partner vor Ort sei unabdingbar für deren Erfolg.  

Diese, da ist sich Katharina Beyen sicher, stärke letztlich die Attraktivität der Ausbildung und das Image der Stadt Köln als Ausbildungsbetrieb. Ihr geht es sowohl um die persönliche Weiterentwicklung der Auszubildenden und deren Vernetzung untereinander als auch um die Bindung an den Arbeitgeber. Beyen hält es für wichtig, die gemachten Erfahrungen weiterzugeben. Geplant ist eine Zertifikatsverleihung durch die Staatskanzlei in Düsseldorf, zu der auch Interessenten für kommende Projekte eingeladen werden sollen. Auch 2018 soll es wieder Angebote geben, die den Teilnehmern und Organisatoren bislang unbekannte Welten näherbringt.

Alle Bilder © Rheinisches Bildarchiv Köln, Eva Bauer, rba_d 046973_01-25

Auslandsaufenthalte während der Ausbildung

Organisiert wurde das Namibia-Projekt federführend von der Ausbildungsleitung der Stadt Köln in Kooperation mit dem Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie dem Verein „Living with Elephants“. Ziel war es, ein Wasserloch als Raststelle für Elefanten herzurichten, um das ökologische Gleichgewicht zu stabilisieren und Konflikte zwischen der hier lebenden Bevölkerung und den Elefanten zu minimieren. Bezuschusst wurde das Projekt aus dem Förderprogramm „Konkreter Friedensdienst“ von Engagement Global NRW. Einen Restbetrag von 500 Euro pro Person steuerten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst bei.

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