Für uns sind Landesgrenzen keine Barriere - Internationalisierung – auch in der Ausbildung

Bei der Feldhaus Fenster + Fassaden GmbH & Co. KG mit Sitz in Emsdetten werden Glas- und Metallfassaden für Bürogebäude, Banken, Versicherungen, Flughäfen und öffentliche Bauten geplant, gefertigt und montiert. Der 1901 als Dorfschmiede gegründete Familienbetrieb ist heute eines der bedeutendsten Fassadenunternehmen Europas und Arbeitgeber für rund 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 25 Auszubildende in der Region. Zahlreiche Objekte im In- und Ausland wurden mit Produkten von Feldhaus ausgerüstet.

"Unsere Branche ist global ausgerichtet. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen das auch sein."

„Unsere Branche ist global ausgerichtet. Daher haben wir neben dem Inlandsgeschäft schon früh auch auf Auslandsmärkte geschaut“, betont Christoph Jüttner, Kaufmännischer Geschäftsführer des Unternehmens, das Ende der 1970er Jahre die ersten internationalen Aufträge realisierte. Heute ist Feldhaus vorwiegend in Luxemburg, den skandinavischen Ländern und Großbritannien, aber auch in außereuropäischen Märkten aktiv. Dies erfolgt meist in Form von Großprojekten, die gemeinsam mit Partnern realisiert werden, zum Beispiel dem Bielefelder Systemhersteller Schüco. Als traditionsreiches Handwerksunternehmen legte Feldhaus dabei immer auch großen Wert auf das Thema Ausbildung.

Seit Beginn der 1980er Jahre ist das Unternehmen von knapp 30 festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf aktuell mehr als 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewachsen. Eine rasante Entwicklung, die die Einstellung auf neue Anforderungen, Kunden und Märkte mit sich brachte und zugleich nach entsprechenden Kompetenzen der Beschäftigten verlangte. Dazu Jüttner: „Allein mit der deutschen Brille’ können Sie im globalen Kontext kein Projekt abwickeln. Insofern war und ist die Internationalisierung auch ein wichtiger Gradmesser, um zu schauen, was wir in Richtung Qualifizierung und Ausbildung noch tun müssen. Deshalb ermöglichen wir den Erwerb von Auslandserfahrung bereits in der Ausbildung.“

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Der “Kampf um gute Nachwuchskräfte“ ist auch an Feldhaus nicht spurlos vorübergegangen, vor allem im gewerblich-technischen Bereich wird es zunehmend schwieriger, geeignete Bewerber zu finden. Umso wichtiger sei es daher, eine Marke aufzubauen und diese in Schulen und Universitäten sowie auf Ausbildungsmessen und anderen Plattformen erfolgreich darzustellen, unterstreicht Jüttner. Das Thema Internationalität sei dabei stets präsent, beispielsweise über die aktiv beworbene ausbildungsbegleitete Zusatzqualifikation zum Europaassistenten und die Möglichkeit zu einem mehrwöchigen Auslandsaufenthalt im Rahmen der Ausbildung. Das Auslandspraktikum wird durch das EU-Förderprogramm Erasmus+ finanziert.

Das Angebot der Zusatzqualifikation erfolgt in enger Zusammenarbeit mit den Berufskollegs der Region, darüber hinaus werden auch schon einmal Vertreterinnen und Vertreter der Handwerkskammer Münster eingeladen, um dort Werbung für die internationale Zusatzqualifikation des Europaassistenten zu machen. „Unser Ziel ist es, dem Handwerk die Ängste vor Auslandsmärkten zu nehmen. Wir versuchen Brücken zu bauen, um die damit verbundenen Anforderungen zu meistern und offerieren Schulungsangebote zur Sprachförderung der Azubis“, so Jüttner, der den Mehrwert der Auslandserfahrung vor allem in der Bereitschaft sieht, Dinge einmal anders zu betrachten und zielorientiert Lösungen herbeizuführen.

"Die Karrierechancen bei Feldhaus sehen sehr gut aus. Ich habe das Glück gehabt in jungen Jahren Abteilungsleiter zu werden."

Das kann Dominik Kompalik nur bestätigen. Er hat von 2008 bis 2012 seine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Metallbauer bei Feldhaus absolviert und ist heute dort Produktionsleiter in der Fertigung. Während der Ausbildung erwarb er die Zusatzqualifikation zum Europaassistenten und arbeitete für drei Wochen auf einer Feldhaus-Baustelle in der englischen Universitätsstadt Cambridge. Kompalik erinnert sich: „Aufgrund meiner Vorkenntnisse war ich dort von Beginn an sehr gut eingebunden. Aufgefallen sind mir die britischen Arbeitsschutzbestimmungen, die im Vergleich zu Deutschland deutlich strenger gehandhabt werden.“ Ein Déjà-vu für ihn war es, als sieben Jahre später der Personalchef ihm anbot, noch einmal für drei Monate nach England zu gehen, um in der Qualitätsüberwachung und Baustellendokumentation mitzuwirken. Er übernahm den Einsatz, für den er nun bestens qualifiziert war.

Der heute 27-Jährige kann jedem Auszubildenden nur empfehlen, die Chance zum Auslandsaufenthalt zu nutzen. Die ausbildungsbegleitende Zusatzqualifikation Europaassistent bietet dazu eine fachliche Vertiefung, beispielsweise weil Kompalik im Abendschulunterricht Kenntnisse in Europäischem Waren- und Wirtschaftsrecht erwarb, die ihm bereits in vielen beruflichen Situationen weitergeholfen haben.

Die Auslandsaufenthalte bei Feldhaus dauern in der Regel drei Wochen und finden auf internationalen Baustellen statt. Hier lernen die Azubis die Organisation, Steuerung, Logistik und Montage der jeweiligen Großprojekte kennen. So können sie projektbezogen und im eigenen Unternehmen „hinter die Kulissen“ schauen und dabei zugleich „neue Welten“ entdecken. Die Reise- und Lebenshaltungskosten der Azubis werden dabei weitgehend durch ein Erasmus+ Stipendium abgedeckt.

"Im Ausland werden soziale Kompetenzen entwickelt, die für den Umgang mit den Mitarbeitern und Kunden vor Ort benötigt werden."

Markus Böringschulte, seit 25 Jahren als Ausbilder im Metallbau bei Feldhaus, verweist darauf, dass es zum Teil große Unterschiede zwischen deutschen und internationalen Baustellen gebe. Dies betreffe sowohl den Arbeitsschutz, die Zugänglichkeit als auch die Art und Weise, wie gebaut werde. „Mit der internationalen Erfahrung erweitern die Azubis ihren handwerklichen Horizont und können in interkulturellen Zusammenhängen konstruktiv agieren“, unterstreicht er und ergänzt: „Sie können die besten Handwerker haben. Wenn die im Ausland nicht zurechtkommen, wird das im internationalen Geschäft nicht funktionieren.“

"Der Europaassistent gibt den jungen Leuten die Chance, im Ausland Erfahrungen zu sammeln und sich dann auch entsprechend besser zu vernetzen."

Auch sein Kollege Matthias Weist, der als Abteilungsleiter Betriebstechnik gemeinsam mit Böringschulte in der Ausbildungswerkstatt nah an den Azubis ist, verweist vor allem auf die besondere Situation vor Ort: „In der Werkstatt erwerben die Azubis alle wichtigen Grundlagen, um zu wissen, was sie auf der Baustelle tun müssen. In den Projekten im Ausland erfahren sie dann handwerkliche Praxis, und zwar unter ganz anderen Rahmenbedingungen. Das ist eine Erfahrung, die ihnen keiner nehmen kann und die sie auch als Persönlichkeit enorm reifen lässt.“

Aus Unternehmenssicht ist das Angebot von Auslandsaufenthalten ein Alleinstellungsmerkmal bei der Gewinnung von Auszubildenden. Fördermittel wie Erasmus+ bereichern die Ausbildung enorm und mildern insbesondere finanzielle Hürden ab. Auszubildenden kann so die Möglichkeit geboten werden, sich voll und ganz auf den Auslandsaufenthalt einzulassen. 

Bilder und Videos © NA beim BIBB

Auslandsaufenthalte während der Ausbildung

Bei der Firma Feldhaus informiert die Handwerkskammer Münster regelmäßig alle Auszubildenden über die ausbildungsbegleitete Zusatzqualifikation zum Europaassistenten und die Möglichkeit zu einem mehrwöchigen Auslandsaufenthalt im Rahmen der Ausbildung. Anita Urfell und Andreas Bendel sind dort die verantwortlichen Mobilitätsberater. Beide sind im bundesweiten Netzwerk „Berufsbildung ohne Grenzen“ eingebunden, welches Unternehmen, berufliche Schulen und Auszubildende über berufliche Auslandsaufenthalte während der Ausbildung berät.

 Weitere Informationen zur Mobilitätsberatung der Handwerkskammer Münster

 Weitere Informationen zu Erasmus+ Mobilität in der Berufsbildung

 Weitere Information zum Netzwerk "Berufsbildung ohne Grenzen"

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  • Wir beraten persönlich: Ob Schulabgänger/innen, Azubis, ausgelernte Fachkräfte, berufliche Schulen oder Unternehmen
  • Unsere Datenbank gibt einen Überblick über alle Programme, mit denen berufliche Auslandserfahrung möglich ist - und das weltweit.
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Dauer: 5:21 Minuten © IBS in der NA beim BIBB 2016

 

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Welchen Mehrwert bietet Mobilität mit Erasmus+ für Auszubildende, aber auch für die entsendenden Unternehmen? Der Film begleitet zwei Auszubildende des Wissenschaft- und Technologieunternehmens Merck bei ihrem Auslandspraktikum in Amsterdam. Verantwortliche im Unternehmen erzählen, warum sich solche beruflichen Auslandsaufenthalte für die Unternehmensstrategie lohnen.

Dauer: 5:46 Minuten © NA beim BIBB 2018